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Zugvögel starten in ihre Winterquartiere

Die Hauptursache für den Vogelzug liegt im jahreszeitlichen Wechsel des Nahrungsangebots.

Foto:Die Mauersegler haben uns schon Ende Juli verlassen

14. September 2018

von Günter Lessenich

Kreis Euskirchen - Nun wird es zum Wochenbeginn spätsommerlich und sehr heiß, über 30 Grad werden erwartet, aber das hindert die Zugvögel nicht jetzt in ihre Winterquartiere Richtung Süden zu fliegen. 

Jahr für Jahr kehren unsere gefiederten Sommergäste  aus dem Süden kommend im Frühling in unseren Breitengraden um ihre Nester zu bauen. Wenn die Vogelkinder flügge sind, müssen so manche Arten schon wieder an ihre weite Reise in den Süden denken. Mit zu den ersten zählt der Mauersegler. Sie haben uns im Kreis Euskirchen bereits einige Tage früher, schon am  27. Juli verlassen. (Abreisetag sonst die Jahre  31. Juli)

Im August ziehen die typischen Sommervögel wie Rohrsänger, Schwirle, Grasmücken, Laubsänger und viele mehr. Sie ernähren sich von Insekten, die jetzt weniger werden. Ihr Zug ist von der Tageslänge abhängig, nicht vom Wetter.

 

Bäume statt Stromleitungen zum anfliegen und sammeln

Foto: Diese fantastische Fotoaufnahme sendete uns Hans Theo Krüger aus Satzvey. Die Mehlschwalben sammelten sich vor einigen Tagen auf seinem Grundstück stehenden Douglasie. die sich dort kurz ausruhten und ihr Gefieder putzten. Jetzt sind sie in Richtung Süden unterwegs.

Anfang September sammelten sich viele Mehlschwalben auf den noch vorhandenen Stromleitungen, Hausantennen oder auf Bäumen. Seit dem 13. September haben uns viele Mehlschwalben im Kreis Euskirchen verlassen. Vielen Menschen, die den ganzen Sommer Schwalben unter ihrem Dach beherbergt haben, fällt der Abschied von den Vögeln schwer. Es ist schon am Himmel und an den Häuser leise geworden. Hoffentlich kommen viele von ihnen im nächsten Jahr gesund zurück, so die Frage vieler Hausbesitzer, die Schwalben an ihren Häuser dulden und das Brutgeschäft fördern.  

Auf den Tausende Kilometer langen Weg machen sich auch Störche, Kraniche, Enten und noch viele hundert Arten mehr.

Im Winter finden sie keine Nahrung mehr

Foto: Junge Mehlschwalben aus diesem Jahr der dritten Brut werden noch gefüttert. Sie schaffen es noch und werden in wenigen Tagen aus dem Nest fliegen und ziehen mit ihren Artgenossen auf die große Reise in den Süden

Warum wandern Zugvögel ?

Zugvögel haben einen Zugtrieb, der ihnen angeboren ist. Sie orientieren sich an der Sonne, den Sternen und dem Magnetfeld der Erde. Eine innere Uhr sagt ihnen, wann es Zeit ist das Sommerquartier zu verlassen, um in den Süden zu ziehen.

Zu den ausgeprägtesten Zugvögel sind die Langstreckenzieher wie die Schwalben und Mauersegler, die südlich der Sahara überwintern.  Die nichtziehenden Arten die Sommer wie Winter bleiben, bezeichnet man als Standvögel. Zu ihnen gehören z.B. Amsel, Kleiber Spechte u.a. Es gibt aber auch Arten von denen nur ein Teil des Bestandes unser Land verläßt. Dies sind z.B. Eisvogel, Star und Buchfink. Sie werden Teilzieher genannt. Insektenfressende Vögel wie Schwalben, Grasmücken & Co können im Winter bei uns nicht überleben, nicht wegen der Kälte, sondern weil sie zu dieser Jahreszeit keine Nahrung finden. Den Vögeln machen die niedrigen Temperaturen an sich nichts aus, doch Mücken, Fliegen und Schmetterlinge können bei Kälte nicht überleben. Um aber weiterhin Nahrung zu finden, wandern Zugvögel im Herbst in südlichere Gegenden. Die Vögel finden dort zu der Zeit ein Überangebot von Insekten vor und deshalb kann man sich die Frage stellen, warum die Zugvögel im Frühling zu uns zurückkehren.

Die Erklärung ist einfach: Im Norden gibt es im Sommer ebenfalls ein Überangebot von Insekten und da die meisten Insektenfresser im Herbst des vergangenen Jahres abgewandert sind, ist zu diesem Zeitpunkt die Nahrungskonkurrenz ziemlich gering. Vögel die im Frühling wieder in den Norden fliegen, finden hier genügend Nahrung, um selbst zu überleben und um ihre Jungen großzuziehen. Auch haben Insektenfresser im Norden weniger Feinde als im Süden. Um hiervon zu profitieren, müssen Zugvögel allerdings zweimal im Jahr die Strapazen und Gefahren einer langen Wanderung auf sich nehmen.

Jeder Zugvogel, der weite Strecken zu bewältigen hat, muß gut vorbereitet auf Reisen gehen, denn er verbraucht beim Fliegen etwa 12 mal mehr Energie als sonst. Deshalb legt er eine gehörige Fettreserve als Reiseproviant an. Die Reserve reicht aber nicht für den gesammten Flug aus: sie muß erneuert werden. Dies geschieht in Zwischenstationen, den Rastplätzen an denen die Vögel ruhen und Nahrung aufnehmen. Bis zu 40 Prozent mehr Nahrung als üblich wird jetzt vertilgt. Insekten Spinnen und andere wirbellose Tiere werden bevorzugt, da sie besonders energiereich sind. Vier bis 10 Tage brauchen die Vögel um sich den nötigen Treibstoff Fett aufzubauen. An guten Rastplätzen ist dann das Nahrungsangebot besonders reichhaltig. Jede Vogelart hat dabei spezielle Ansprüche an den Rastplatz. So benötigt beispielsweise der Wendehals Streuobstwiesen, der Teichrohrsänger Röhrichte und der Wiesenpieper offene Landschaften. Natürlich müssen die Rastplätze völlig ungestört sein, den die Vögel verlieren bei jeder Flucht viel von der für den Zug notwendigen wertvollen Energie. Fehlende Rastplätze verringern jedoch die Chance unsere Zugvögel ihre lange Reise zu überstehn.

Foto: Kiebitze ziehen vom Mittsommer bis in die Herbstmonate in den Süden

 Für alle Brutvögel ist Ende September die Brutsaison zu Ende. Der Wegzug der Zugvögel ist jetzt im vollem Gang. Durchzügler lassen sich fast überall beobachten, Insektenfressende Singvögel vor allem morgens in den Büschen.

 

 

 

 


Ein weiteres Foto von Hans Theo Krüger aus Satzvey.  Mehlschwalben sammeln sich auf der Spitze einer Douglasie

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