„Insekten retten - Artenschwund stoppen“

Naturschutzverbände im Kreis Euskirchen starten zeitgleich mit dem landesweiten Start die Volksinitiative Artenvielfalt NRW

Kreis Euskirchen- Mit einer Aktion vor dem Landtag in Düsseldorf haben die drei großen NRW-Naturschutzverbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) und Naturschutzbund Deutschland (NABU) am 23.7. die landesweite Volksinitiative Artenvielfalt gestartet. Zeitgleich schließen sich die anerkannten Naturschutzverbände im Kreis Euskirchen an. Ursprünglich sollte die Volksinitiative bereits im April starten. Corona-bedingt hatten die Verbände den Start verschoben.

Nun sollen in den nächsten Monaten unter dem Motto „Insekten retten – Artenschwund stoppen“ mindestens 66.000 Unterschriften gesammelt werden. Dann muss sich der NRW-Landtag mit der Volksinitiative beschäftigen. In acht zentralen Handlungsfeldern fordern die Naturschützer einen deutlichen Politikwechsel.

 

Auch der NABU im Kreis Euskirchen ruft die Bürger*innen auf die Volksinitiative mit einer Unterschrift zu unterstützen und so ein deutliches Signal für notwendige Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt in NRW zu senden. „Die Artenvielfalt im Kreis Euskirchen und landesweit und zukünftig viel konsequenter und nachhaltiger geschützt werden, wollen wir unseren Kindern und Enkelkindern einen lebenswerten Planeten hinterlassen“, sagte Uwe Wedegärtner, einer der Vorsitzenden des NABU Kreis Euskirchen. „Dabei setzen wir nicht nur auf die Unterstützung unserer Mitglieder, sondern appellieren an alle Bürgerinnen und Bürger, sich mit ihrer Unterschrift für ein lebenswertes Nordrhein-Westfalen einzusetzen.“

  Rückgang bei der Grauammer                                                                             Foto: NABU/Günter Lessenich                                                                                                                                 

„Inzwischen sind 45 Prozent der Arten in NRW bedroht. Der dramatische Rückgang vieler Insekten-, Vogel- und Pflanzenarten duldet keinen Aufschub mehr“, so Uwe Wedegärtner. „Auch hier in der Börde und der Eifel sieht es nicht besser aus. So erleben die Feldvögel in der Börde einen dramatischen Einbruch der Populationen. Arten wie Kiebitz, Grauammer und Feldlerche, noch vor 25 Jahren ein alltäglicher Anblick sind strichweise schon völlig verschwunden, Frösche und Kröten und viele Insekten verschwinden zusehenst und mit ihnen die anderen Arten der Nahrungskette. Wir betrachten es als unsere Pflicht, etwas dagegen zu tun. Deswegen gehen wir trotz Corona jetzt bewusst raus auf die Straßen und Marktplätze um Unterschriften zu sammeln. Dabei werden wir selbstverständlich alle Hygieneregeln beachten.“ So Wedegärtner. Wir werden die Bürger über Presse und auf unserer Homepage (www.nabu-euskirchen.de) auf dem Laufenden halten, wo sie die Volksinitiative unterschützen können.

  Juntersdorfer Teich                                                                                                                             Foto:NABU/Günter Lessenich

Konkret fordern die Verbände einen Stopp des Flächenfraßes, mehr Waldflächen ohne Nutzung, die Ausweitung des Biotopverbundes und die Ausweisung eines zweiten Nationalparks in NRW, die Senne in Ostwestfalen. Aber auch der ökologische Landbau,, ein Verbot chemisch-synthetischer Pestizide in Naturschutzgebieten müssen endlich besser durchgesetzt werden und die Gewässer und Auen müssen wirksamer geschützt werden. In allen diesen Politikfeldern sehen BUND, LNU und NABU Stillstand oder Rückschritte. Ein politischer Wille sowohl der Kommunalen Verwaltungen als auch der Landesregierung, dem dramatischen Verlust an biologischer Vielfalt konsequent zu begegnen, sei nicht erkennbar, so die Naturschutzverbände. Vereinzelte Förderprogramme ersetzten keine Strategie und ansonsten werde dem Credo, die Wirtschaft zu ‚entfesseln‘, alles untergeordnet. Deutliche Beispiele dieser Politik sind die ausufernden Bau- und Gewerbegebiete in Zülpich, Mechernich und Euskirchen. Aber auch die anderen Kommunen sind da keine Ausnahme. Man kann den Eindruck gewinnen, die Gemeinden leisteten sich einen Wettbewerb nach dem Motto: Schneller, größer, zerstörerischer, noch schnell Baugebiete ausweisen, bevor der demografische Wandel zuschlägt. „Schon jetzt ist statistisch erkennbar, das die zukünftigen Leerstände geplant und gebaut werden.

 

Es ist höchste Zeit einen Wechsel einzuleiten, weg von der Baupolitik der letzten 30 Jahre. Es darf kein weiter so mehr geben. Der Natur- und Artenschutz muss aber nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Stadt gestärkt werden“, erklärte Wedegärtner. Hier sei die nicht nur die Landesregierung gefordert, sondern auch alle Kommunen, sich an einer nachhaltigen Naturschutzpolitik zu beteiligen. Die Verbände fordern so zum Beispiel klare landesrechtliche Vorgaben etwa zur Eindämmung der Lichtverschmutzung und ein Verbot so genannter Schottergärten. Es gibt Bundesweit genügend Beispiele, wie man so etwas macht.

„Mit der Volksinitiative Artenvielfalt wollen wir uns zudem bewusst im Kommunalwahlkampf bemerkbar machen“, sagte Wedegärtner, „Deshalb werden wir auch in den nächsten Tagen einen Forderungskatalog an die Kommunalpolitiker veröffentlichen, in dem wir, vor der Kommunalwahl, konkrete Forderungen an die Politik stellen und Stellungnahmen der Politiker einfordern werden.“ So Peter Bertold vom AK Natürlich.Mechernich im NABU Euskirchen. Auch vor Ort müsse sich die Politik daran messen lassen, was sie für lebenswerte Städte und Kommunen tut. Hier geht der Artenschutz Hand in Hand mit dem Klimaschutz. Denn mit mehr Natur in der Stadt können wir auch wirksam dem Klimawandel begegnen.“  

 

Weitere Informationen finden Sie unter: www.artenvielfalt-NRW.de

 

Kontakt für Rückfragen vor Ort:

Uwe Wedegärtner

Mobile: 0176 217 040 91

 

 

Kontakt für Medienanfragen landesweit:

 

BUND NRW: Dirk Jansen, Geschäftsführer, T. 0172 2929733, dirk.jansen@bund.net

 

NABU NRW, Birgit Königs, Pressesprecherin, NABU NRW, T. 0173 4699296, Birgit.Koenigs@NABU-NRW.de