Auf in den Süden

Werden Sie Kranich-Zähler

 Kranichzug vor dem Mond                                                                          Foto: NABU/Günter Lessenich

Update: 14.10.2020

Wenn die Tage kürzer werden, sieht man sie wieder am Himmel, die langen Ketten fliegender Kraniche. In immer wieder neuen Wellen überqueren die vor allem aus Skandinavien kommenden Tiere zusammen mit den heimischen Brutvögeln die Republik auf ihrem Weg in die südeuropäischen Winterquartiere. Ab Ende Februar ist das großartige Schauspiel am Himmel ein zweites Mal zu sehen. Auf dem Rückweg in die Brutgebiete läuten die Vögel des Glücks mit ihren trompetenden Rufen den Frühling ein.

 

Heute am 14.10. war ein großer Kranichzugtag. Schon um die Mittagszeit konnte man die ersten Züge  von bis zu 300 Tieren über dem Ortsteil Obergartzem beobachten.  Dann ging es Zug um Zug.  In Abständen überqueren hunderte Tiere den Kreis Euskirchen. Über Kommern, Mechernich, Kall, Zülpich und in der Hocheifel, überall waren die Großvögel mit ihrem Trompetengesang und ihren eleganten Bewegungen zu hören und zu sehen. Schauen Sie und lauschen Sie  in den nächsten Tagen und Wochen an den Himmel. Viele Kranichzüge werden noch folgen.

 

Text: Günter Lessenich

Fotos: NABU/Günter Lessenich


Kranichflüge über dem Wildenburger Ländchen in der Gemeinde Hellenthal

Am 15.10.2020 sind zahlreiche Kranichformationen über den Höhenrücken des Wildenburger Ländchens gezogen. Die Flugroute der Kraniche führte über Kall-Krekel in Richtung Südwest über das Wildenburger Ländchen hinweg durch die Anlagen von Dahlem IV. Vor den WEA von Dahlem IV versammelten sich die Kraniche laut rufend und kreisten. Sie stiegen mit kraftraubenden Flügelschlägen empor und passierten den Bereich der WEA. In Summe sind ca. 15 Gruppen mit 150-200 Vögel am Tage geflogen. In der Nacht setzten sich die Flugfolgen der Kraniche fort. Die Vögel waren durch ihre lauten Rufe sehr gut zu verfolgen. Zahlreiche Vögel sind in der Nacht auf den Wiesen südlich Kreuzberg gelandet und verweilten dort lauf rufend bis in die frühen Morgenstunden. Der Aufbruch erfolgte am frühen Morgen im Nebel bei Sicht unter 100m in Richtung Südwest durch die WEA von Dahlem IV.


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Herbstlicher Vogelzug hat schon begonnen

Die Mauersegler verabschiedeten sich am 24. Juli und sind jetzt auf dem Weg in ihr Winterquartier                                                                                                         Foto: NABU/Günter Lessenich

Kreis Euskirchen - Alljährlich verlassen weltweit etwa 50 Milliarden Zugvögel ihrer Brutgebiete, 500 Millionen dieser Vögel ziehen jedes Jahr durch Deutschland. Etwa die Hälfte der in Deutschland brütenden Vogelarten zählen zu den Zugvögel.  Auslöser für den Vogelzug ist übrigens nicht die Winterkälte, sondern der Mangel an erreichbarer Nahrung. Vogelkundler unterscheiden zwischen Lang- und Kurzstreckenzieher.

Langstreckenzieher ...

...bei uns etwa 80 Arten wie Mauersegler,  Rauchschwalbe, Mehlschwalbe, Gartenrotschwanz, Weißstorch oder Fitis, brechen jedes Jahr zur selben Zeit und unabhängig von der herrschenden Witterung auf und kehren jedes Jahr zur gleichen Zeit wieder zurück. Ihr Winterquartier befindet sich in Afrika südlich der Sahara.

Auffallendstes Beispiel ist der Mauersegler. Nachdem er als einer der letzten Zugvögel um den 4. Mai herum aus den afrikanischen Winterquartieren in den Kreis Euskirchen heimkehrte, hat er sich in der letzten Juliwoche  (dieses Jahr 6 Tage früher als viele Jahre zuvor,  bisher 30. Juli Abflugtag) schon wieder verabschiedet.

 

Vor allem abends in der Nähe der Brutplätze konnte man die rasanten Flugspiele der schwarzen und wendigen  Luftakrobaten beobachten, wenn sie mit hohen, schrillen „Srih“-Rufen und in kleinen Gruppen durch die Straßen und um die Hausecken schossen. Zum Schluss waren auch die Jungvögel mit von der Partie und trainierten mit den Altvögeln für den weiten Flug in die Winterquartiere.

 

Der Schwarzstorch, der seit einigen Jahren in der Eifel  lebt, hat seine Jungen flügge, so dass auch für sie bald der lange Zug in südliche Gefilde einsetzt.

 Weißstorch auf einer Wiese  bei Horchheim, links ein Graureiher                                                           Foto: Andrea Wiese

Sein naher Verwandter, der Weißstorch, wird auf seinem Durchzug den Kreis Euskirchen ebenfalls in diesem Monat streifen. Auf den abgeernteten Felder  ist dieser Schwarzweißer Vogel  jetzt häufiger bei einem Spaziergang oder mit dem Auto auf einer Straße fahrend zu sehen, ob Einzeln, oder in Gruppen von 12 bis 70 Vögel und mehr.

 

Braunkehlchen, Steinschmätzer, Trauerschnäpper sowie  Rauch u. Mehlschwalben werden ihm folgen.

 

Früher hieß es „An Mariä Geburt ziehen die Schwalben furt“, denn um den 8. September liegt ein Schwerpunkt des Aufbruchs. Vielen Menschen, die den ganzen Sommer Schwalben unter ihrem Dach beherbergt haben, fällt der Abschied von den Vögeln schwer.

 

Gerade jetzt, wo die Schwalben abziehen, werden vielerorts die Nester einfach abgeschlagen oder abgekärchert. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass dies nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng verboten ist.  „Wer dies trotzdem tut, kann mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 € rechnen.“

 

  Mehlschwalben sammeln sich auf einer alten Hausantenne        Foto: NABU/Günter Lessenich

Kurzstreckenzieher...

Kiebitz auf einenm Feld bei  Zülpich-Wollersheim                                                                                             Foto: NABU/Günter Lessenich

...reisen zum Überwintern nur bis in den Mittelmeerraum. Sie ziehen erst spät im Herbst fort und kehren schon ab Februar zurück. Zu diesen etwa 40 Arten gehören Kranich, Kiebitz, Feldlerche, Star, Zilpzalp, Singdrossel und Hausrotschwanz. Bei Kaltlufteinbrüchen brechen sie bereits früher auf, ein sonniger Spätwinter kann sie hingegen vorzeitig in den Norden locken.

Standvögel / Teilzieher

 Erlenzeisig                                                                                                                 Foto: NABU/Günter Lessenich

Bei diesen ziehen teile der Bestände im Winter aus kälteren regionen nach Süden oder Westen und ergänzen oder ersetzen dort die örtliche Populationen. Typische Teilzieher sind bekannt "Wintervögel" wie Buchfink, Zeisig, Kohlmeise und Blaumeise.

Orientierung

Zur Zugzeit sind spezielle Rufe zu hören, mit denen die Vögel Kontakt zur Gruppe halten. Sie dienen auch als Unterscheidungsmerkmal, bei Sing und Rotdrossel.

 

Auf dem Zugweg orientieren sich Vögel bei klarem Himmel tagsüber am Sonnenstand und nachts am Sternenhimmel. Außerdem verfügen sie über einen  eingebauten Magnetkompass, der ihnen insbesondere bei schlechtem Wetter den Weg weist. 

 Sternenhimmel - Im Hintergrund  Blick auf Euskirchen bei Nacht.                                                              

 Foto: NABU/Günter Lessenich

Hochleistungssportler auf Zeit

Um die Herausforderung des Vogelzugs zu bestehen, ist auch der Stoffwechsel der Vögel in vielfältiger Weise angepasst.  So kontrollieren die Erbanlagen der Vögel auch die durchgreifenden Änderungen im Stoffwechsel, die nötig sind um die Leichtgewichte auf die enormen Anstrengungen vorzubereiten. Unter anderem wird die Nahrungsquelle verändert - die Insektenfresser steigen von den eiweißreichen Insekten im Herbst auf zuckerhaltige Beeren um. Diese werden im Körper in Fett umgewandelt und gespeichert - als wichtigster und effektivster Energiespeicher auf dem Zug.

So können wir Zugvögel schützen

Der Vogelzug ist nicht nur ein fantastisches Naturschauspiel. Er hat auch eine große Beteutung für das Überleben vieler Vogelarten. Die Zugwege der Vogelarten müssen ebenso erhalten werden wie die Winterquartiere und die Brutgebiete.  Große Schutzgebiete entlang der Hauptzugwege sind überlebenswichtig, so das Wattenmeer, die vom NABU betreuten Reservate Wollmatinger Ried am Bodensee oder Wallnau auf der Insel Fehmarn.  In Deutschland, in Europa und weltweit setzt sich der NABU mit seinen Partnern für den Erhalt der Trittsteine auf dem Weg in die Überwinterungsgebiete ein.

 

Für die bei uns überwinternden Vögel müssen wir in Deutschland die Verantwortung wahrnehmen, die wir auch von anderen Länder erwarten.  Jeder einzelne kann den Singvögel helfen, indem er in seinem Garten heimische Büsche pflanzt, die im Herbst mit ihren Beeren den Zugvögel als Wegzehrung dienen.

 

 Star an einer Vogelbeere                                                                                   Foto: NABU/Günter Lessenich


Sehen Sie auch den Film Rauch und Mehlschwalben vor der Kamera