Wie das Herbstblatt zur Farbe kommt:

Auch Bäume halten Winterschlaf

 

  Der Wald im Herbstkleid                                                                                      Foto: NABU/Günter Lessenich

 

Kreis Euskirchen - Welch ein Aufwand: Eine stattliche Eiche wirft jedes Jahr bis zu 200.000 Blätter ab, nur um sie im Frühling wieder auszutreiben. Warum also lassen Bäume im herbst ihre Hüllen fallen? Und weshalb verfärben sie sich dabei so prächtig? Das erklärt der NABU Euskirchen in seinem Tipp zur Naturbeobachtung für den Monat Oktober.

 

Eigentlich machen die Bäume im Herbst nichts anderes als beispielsweise der Igel: Sie bereiten sich auf den Winterschlaf vor, weil sie nicht mehr genügend Nahrung finden. Genau genommen ist es das Wasser, was den Bäumen fehlt. Der abgekühlte Boden beeinträchtigt schon im September die Saugfähigkeit der Baumwurzeln. Bei Frost kommt die Wasseraufnahme durch die Wurzeln ganz zum Stillstand. Die oben erwähnte Eiche aber verdunstet täglich bis zu 600 Liter Wasser über die Blätter. Kein Wunder also, dass sich der Baum mit dem Abwerfen des Laubes vor dem Verdunsten und Verdursten schützt.

Der Baum baut zwischen Rinde und Blattansatz eine Trennschicht auf. So wird der Saftstrom zum Blatt allmählich unterbrochen.                  Foto: NABU/Günter Lessenich

Bereits im September bereiten die Gehölze den Laubabwurf vor. Dabei richten sie sich nicht nach der Temperatur, sondern nach der Tageslänge. Deshalb färben sich auch in einem sommerlich-warmen herbst die Blätter. Der Baum baut zwischen Rinde und Blattansatz eine Trennschicht auf. So wird der Saftstrom zum Blatt allmählich unterbrochen. Gleichzeitig ruft der Baum die schwierig zu beschaffenen Nährstoffe, wie beispielsweise Stickstoff, zurück. Die Nährstoffe werden abtransportiert und in die Rinde, Holz oder Wurzel eingelagert. Im Frühjahr dienen die Nährstoffe dann als Treibstoff bei der Bildung neuer Blätter.

 

Auch das Blattgrün, das Chlorophyll, wird vom Baum abgebaut und in seine  Einzelteile zerlegt, da es viel Stickstoff enthält. Darin liegt auch das Geheimnis der Herbstfärbung: Je mehr Blattgrün der Baum abbaut, desto deutlicher kommen die anderenBestandteile des Blattes zum Vorschein, die bislang vom Grün überdecktwurden. Carotinoide beispielsweise färben die Blätter gelb, rote Farbtöne enstehen durch Anthocyane. Braune Tönungen treten erst nach dem Absterben der Blätter auf und werden durch wasserlösliche  Farbstoffe hervorgerufen. Für das Ökosystem ist der LAubfall eine praktiche Einrichtung. Zum einen dient die schützende Laubschicht als ideale Pufferschicht vor den Einwirkungen durch das Klima. Unter dem Laub ist der Boden vor Austrocknung weigehend geschützt, anderseits können Hagel- und Regenschlag die empfindliche Humusdecke nicht zerstören und auch die UV-Strahlung der Sonnen wird durch die alten Blätter gebremst. Darüber hinaus bietet die manchmal zwanzig Zentimeter dicke Isolationsschicht Schutz vor Erosion durch Wind und asser und mildert Temperaturschwankungen. Der NABU Euskirchen rät daher, Laub im Garten liegen zu lassenoder zu Haufen zusammenzukehren. Nebenbei schafft man so auch noch Winterquartiere für Igel, Schmetterlinge und anderen Gartenbewohner.

 

Text: Günter Lessenich

Carotinoide beispielsweise färben die Blätter gelb, rote Farbtöne enstehen durch Anthocyane.

Foto: NABU/Günter Lessenich


Herbstimpressionen

  Fotos anklicken!                                                                          Fotos: NABU/Günter Lessenich


Sehen Sie auch den Film "Herbst wie bist Du schön"