Eine Aue erwacht

– dank vieler helfender Hände

Gemeinsam wird am Kockesbach aus einer ehemaligen Fichtenfläche wieder ein vielfältiger Lebensraum voller Wasser, Wald und Wildnis.

Der Kockesbach auf dem Weg zurück zur Natur

Der Kockesbach ist ein ruhiger, klarer Bach in der Gemeinde Hellenthal in der Eifel.

Er schlängelt sich durch Wiesen und lichte Waldstücke, die Landschaft schlicht und unverstellt. Nur dichte Fichtenbestände werfen mancherorts Schatten auf seine Ufer, versauern dort die Böden und hemmen die natürliche Entwicklung der Aue. 

 

Die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe mit Sitz in Berlin konnte im Naturschutzgebiet „Manscheider Bachtal und Paulushof“ einen Fichtenwald mit Windwurffläche direkt am Kockesbach erwerben. Auf Teilen der Windwurffläche war bereits seine bemerkenswerte natürliche Dynamik der Artenvielfalt vorhanden, während der Teil in den ehemaligen Fichtenbeständen noch dringend Unterstützung benötigte.

 

Durch naturschutzfachliche Maßnahmen in Zusammenarbeit des NABU Euskirchen mit der Biologischen Station Euskirchen im Rahmen des LIFE-Projektes „helle Eifeltäler“ wird die Bachaue nun behutsam renaturiert, sodass sich Schritt für Schritt wieder eine lebendige Auenlandschaft entfalten kann.

Gemeinsam mit zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern des NABU Euskirchen sowie der Biologischen Station Euskirchen und der Firma Jäger wurden bereits wichtige Maßnahmen umgesetzt:

  • Durch bodenschonende Einzelbaumentnahme konnten Fichten entfernt werden, ohne den empfindlichen Auenboden zu verdichten.
  • Der äußere Fichtenrand wurde stehengelassen, damit die neu geschaffene Aue nicht zu stark von der Sonne ausgetrocknet wird.
  • Die dichte Nadelstreu wurde in aufwendiger Handarbeit von der Fläche geharkt, um der Versauerung entgegenzuwirken und Raum für standorttypische Pflanzen zu schaffen.
  • Ergänzend erfolgte eine Initialpflanzung  von 100 Schwarzerlen, 15 Flatterulmen und 15 Schwarzpappeln, die mit hölzernem Einzelbaumschutz versehen wurden.
  • In feuchten Bereichen wurden Rhizome des autochtonen Schlangenknöterichs eingebracht. Dies ist Raupenfutterpflanze für die seltene Schmetterlingsart den Blauschillernden Feuerfalter (Lycaena helle).

Die rund 8.000 Quadratmeter große Fläche wandelt sich seither sichtbar: Wo einst monotone Fichtenbestände standen, entsteht ein vielfältiges Mosaik aus Wasser, jungen Laubbäumen und wiederkehrender Wildnis. Der Bach, der stellenweise noch über blanken Fels fließt, soll langfristig wieder ein natürliches Bett aus Kies und Geschiebe erhalten. Totholz und natürliche Verjüngung prägen zunehmend das Bild.
Nach Sturm und Zerfall der alten Bestände hat die Natur begonnen, sich ihren Raum zurückzuholen. In feuchten Senken und entlang des Baches leben Bachflohkrebse und Köcherfliegenlarven – stille Hinweise auf ein intaktes Gewässersystem.
Zwischen Totholz und jungen Gehölzen wächst ein artenreiches Geflecht: Roter Holunder, Wald-Schachtelhalm und Wasserdost gliedern die Fläche, während Hasel, Erle und Weiden langsam wieder den Charakter eines Auenwaldes formen.  In lichteren Bereichen setzen Fingerhut und Weidenröschen farbige Akzente.
Auch die Tierwelt kehrt zurück: Schwarzstörche suchen hier Nahrung, Feuersalamander und Bergmolche beleben die feuchten Ufer. Wildschweine, Rotwild, Rehe, Füchse und sogar die seltene Wildkatze durchstreifen die ruhigen Bereiche. Darüber tanzen Falter wie Kaisermantel, Admiral und Spanische Flagge durch die wechselnden Farben der Jahreszeiten.
So wächst am Kockesbach ein stille Auenlandschaft heran – ein Ort im Wandel, an dem die Natur ihre eigene, leise Dynamik entfaltet.

Gemeinsam für die Kockesbach-Aue

Mit viel Einsatz und Handarbeit haben Ehrenamtliche des NABU Euskirchen gemeinsam mit der Biologischen Station Euskirchen die Entwicklung der Fläche aktiv vorangebracht:

  • Sorgfältige Einzelbaumentnahme händisch gefällt und mit Kran aus der Fläche geseilt - mit Rücksicht auf den empfindlichen Auenboden
  • Aufwendige Entfernung der Fichtennadelstreu von Hand, um der Versauerung entgegenzuwirken
  • Pflanzung standorttypischer Bäume in behutsamer Einzelarbeit mit hölzernem Einzelbaumschutz
  • Initialpflanzung von Rhizomen des autochtonen Schlangenknöterichs zur Förderung der Schmetterlingsart Lucaena helle
  • Monitoring der natürlichen Sukzession – mit Geduld, Wissen und viel Engagement

Ohne dieses ehrenamtliche Engagement wäre diese Umwandlung der Fläche nicht möglich. 

 

Wir berichteten bereits über die Massnahmen: 

https://www.nabu-euskirchen.de/2022/07/23/renaturierung-der-aue-am-kockesbach/?utm_source=chatgpt.com 
https://www.nabu-euskirchen.de/2023/12/17/renaturierung-der-aue-am-kockesbach-teil-2/

Text: Claudia Rapp-Lange