Der Monat Juni stellt in der Hocheifel eine besonders sensible Phase im Jahresverlauf dar. Zentrale ökologische Prozesse wie Brutgeschäft, Insektenentwicklung und die Blüte artenreicher Grünlandlebensräume erreichen gleichzeitig ihren Höhepunkt.
Während der Brut- und Aufzuchtzeit sind viele Tierarten auf störungsarme Rückzugsräume angewiesen. Gleichzeitig bietet die Hochphase der Insektenfauna – insbesondere von Schmetterlingen und
Libellen – wichtige Hinweise auf die Qualität der Lebensräume. Typische Arten der Region sind etwa der Blauschillernde Feuerfalter (Lycaena helle), dessen Raupen auf Schlangenknöterich (Bistorta
officinalis) angewiesen sind, verschiedene Bläulinge wie der Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus) mit Wirtspflanzen aus der Familie der Schmetterlingsblütler (z. B. Lotus corniculatus), sowie
der Aurorafalter (Anthocharis cardamines), der Kreuzblütler wie Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) nutzt. Auch weit verbreitete Arten wie der Kleine Fuchs (Aglais urticae) mit der Großen
Brennnessel (Urtica dioica) als Wirtspflanze und der Admiral (Vanessa atalanta), ebenfalls an Brennnesseln gebunden, profitieren von strukturreichen Lebensräumen.
Artenreiche Mager- und Feuchtwiesen stehen in voller Blüte und bilden die Grundlage für vielfältige Nahrungsnetze. Gleichzeitig erfüllen sie eine zentrale Funktion als Deckungs- und Äsungsflächen für zahlreiche Wildtiere. Arten wie Reh (Capreolus capreolus) und Rothirsch (Cervus elaphus) nutzen diese Flächen ebenso wie Feldhase (Lepus europaeus) und Rotfuchs (Vulpes vulpes). Auch die Europäische Wildkatze profitiert von strukturreichen Offenlandbereichen mit ausreichender Deckung und Beuteangebot. Darüber hinaus sind solche Wiesen von großer Bedeutung für bodenbrütende Vogelarten wie Wiesenpieper (Anthus pratensis) und Feldlerche (Alauda arvensis), die hier geeignete Brut- und Nahrungsräume finden.
Auch in Gewässern und Feuchtgebieten laufen entscheidende Entwicklungsphasen, etwa bei Amphibienlarven.
Besonders hervorzuheben ist die Bedeutung naturnaher Bachsysteme, wie sie im Manscheider Bachtal ausgeprägt sind. Die vom NABU Euskirchen betreuten Flächen tragen hier wesentlich zum Erhalt sensibler Arten bei, darunter der Feuersalamander (Salamandra salamandra), der auf saubere, strukturreiche Quell- und Bachlebensräume angewiesen ist, der Schwarzstorch (Ciconia nigra), der störungsarme Wald- und Gewässerbereiche benötigt, sowie der Edelkrebs (Astacus astacus), der als anspruchsvolle Leitart für intakte Fließgewässer gilt.
Die vom NABU Euskirchen betreuten Naturschutzflächen leisten hierbei insgesamt einen wichtigen Beitrag: Durch angepasste Pflege, extensive Nutzung und den Schutz sensibler Bereiche sichern sie
Lebensräume, minimieren Störungen und fördern gezielt die biologische Vielfalt.
Gerade in dieser intensiven Phase zeigt sich, wie entscheidend kontinuierliche Naturschutzarbeit für den Erhalt der Artenvielfalt in der Region ist.
Text: Claudia Rapp-Lange / NABU Euskirchen


