Die leiser werdenden Flügel der Eifel

Wenn am frühen Morgen der Nebel über den Wiesen des Kreis Euskirchen liegt und die Sonne ihre ersten warmen Strahlen schickt, steigen Schmetterlinge aus dem feuchten Gras auf wie kleine Gedanken des Sommers. Zwischen Wildblumen und stillen Waldrändern wirkt die Eifel manchmal wie ein Ort außerhalb der Zeit. 

Doch die Farben werden leiser.

Vanessa atalanta (Admiral) ©Claudia Rapp-Lange / NABU Euskirchen
Vanessa atalanta (Admiral) ©Claudia Rapp-Lange / NABU Euskirchen

Wo früher Schwalbenschwanz (Papilio machaon), Bläulinge (Lycaenidae) und Aurorafalter (Anthocharis cardamines) durch artenreiche Magerwiesen tanzten, verschwinden heute immer mehr natürliche Lebensräume. Die Wissenschaft spricht von Habitatfragmentierung — dem Zerschneiden empfindlicher Biotope durch intensive Landwirtschaft, Straßenbau und Flächenversiegelung. Für viele Lepidopteren bedeutet dies Isolation und den Rückgang ganzer Populationen.

Lycaena helle (Blauschillernde Feuerfalter) ©Marion Zöller / NABU Euskirchen
Lycaena helle (Blauschillernde Feuerfalter) ©Marion Zöller / NABU Euskirchen

Fast symbolisch wirkt dabei der Blauschillernde Feuerfalter (Lycaena helle). Seine Existenz ist an intakte Feuchtwiesen gebunden, an Orte, an denen Wasser noch langsam durch den Boden zieht. Entscheidend für sein Überleben ist der Wiesenknöterich (Bistorta officinalis) — jene unscheinbare rosa blühende Raupenfutterpflanze, ohne die seine Entwicklungskette abbricht. 

Auch auf den Flächen des NABU im Kreis Euskirchen zeigt sich, wie empfindlich diese Lebensräume geworden sind. Der Aurorafalter (Anthocharis cardamines) erscheint dort, wo das Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) noch blühen darf.

Aporia crataegi (Baumweißling) ©Claudia Rapp-Lange / NABU Euskirchen
Aporia crataegi (Baumweißling) ©Claudia Rapp-Lange / NABU Euskirchen

Der Wachtelweizen-Scheckenfalter (Melitaea athalia) und der Baumweißling (Aporia crataegi) bleiben auf strukturreiche Wiesen und Waldränder angewiesen, die immer seltener werden. Im Frühsommer tragen Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) und Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) die Hauptlast der Nektarversorgung, ergänzt von Hornklee (Lotus corniculatus) und Natternkopf (Echium vulgare). Später setzt der Wasserdost (Eupatorium cannabinum) diesen Rhythmus bis in den Spätsommer fort. Nicht die einzelne Blüte entscheidet, sondern die lückenlose Abfolge — sie hält die Landschaft für Schmetterlinge lebendig.

Und noch gibt es diese Orte.

Aglais io (Tagpfauenauge) ©Claudia Rapp-Lange / NABU Euskirchen
Aglais io (Tagpfauenauge) ©Claudia Rapp-Lange / NABU Euskirchen

Auf gesicherten NABU-Flächen wachsen Wildblumenwiesen, bleiben Hecken stehen und entstehen Übergänge zwischen Wald und Offenland neu. Dort finden sich noch Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni), Kleiner Fuchs (Aglais urticae) und Tagpfauenauge (Aglais io) — Arten, die vielerorts bereits verschwinden.
Mit jedem verlorenen Blühstreifen geht nicht nur Nahrung verloren, sondern ein funktionierendes ökologisches System. Pestizide unterbrechen trophische Netzwerke, Feuchtgebiete trocknen aus, und die Biodiversität der Eifel verliert ihre Stabilität.

Doch noch ist dieser Prozess nicht endgültig.

Papilio machaon (Schwalbenschwanz) ©Marion Zöller / NABU Euskirchen
Papilio machaon (Schwalbenschwanz) ©Marion Zöller / NABU Euskirchen

Im Kreis Euskirchen sichert der NABU gezielt Bachauen, Feuchtwiesen, Laub-Mischwälder, Magerrasen und Streuobstwiesen. Durch die Pflege und Renaturierung entstehen Lebensräume neu, die fast verschwunden waren.
Dort entscheidet sich, ob der Blauschillernde Feuerfalter (Lycaena helle) weiterhin den Wiesenknöterich (Bistorta officinalis) und der Aurorafalter (Anthocharis cardamines) das Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) findet.
Jede einzelne Fläche bedeutet mehr als Schutz auf dem Papier. Sie bedeutet Überlebenschancen — für Arten, für Landschaften und für das, was sonst still verschwinden würde.

Text : Claudia Rapp-Lange / NABU Euskirchen