NABU Kreis Euskirchen warnt: Nach dem Shutdown der Corona-Krise kann es kein „weiter so“ oder gar Nachholbedarf auf Kosten der Umwelt geben!

Es war einmal ein schönes Landschaftsbild mit vielen Feldern, Wiesen, Feldlerchen, Rebhühner, Kiebitze, Wachtel…. heute ist es das Industriegebiet III bei Obergartzem  an der B266

Foto: NABU/Günter Lessenich

Kreis Euskirchen - Der NABU Euskirchen warnt davor, die Corona Pandemie gegen die Umweltkrise auszuspielen. Wichtige Klimaziele und Umweltschutzziele dürfen nicht auf der Strecke bleiben, wenn die Wirtschaft nach Beendigung des Lockdowns wieder hochgefahren werde. Im Gegenteil, Umwelt und Naturschutzziele müssen genauso konsequent angegangen werden wie die aktuelle Pandemie. „Wenn wir nicht mit der gleichen Konsequenz, mit der wir die Corona-Pandemie bekämpfen auch die anstehenden Probleme im Natur- und Umweltschutz angehen, stehen wir vor einem viel größeren Problem als das, was wir gerade zu bewältigen versuchen.“ so Uwe Wedegärtner vom NABU Euskirchen.Und das findet nicht nur in der großen Politik statt, sondern auch in der Regionalpolitik. „Wenn weiterhin die Kommunen im Kreis Euskirchen, allen voran die Städte Euskirchen, Mechernich und Zülpich versuchen, mit den Mitteln der 60er bis 90er Jahre, auf Kosten des Naturschutzes mit ihren Nachbarn um die Ausweisung neuer Bau- und Industriegebiete zu konkurrieren und weiterhin nur das Minimum im Umweltschutz umzusetzen und auch hier mit Taschenspielertricks um naturschutzfachliche Notwendigkeiten „herumzuplanen“, die Bevölkerung viel zu spät in Beteiligungsverfahren informieren, kann man nicht von einem verantwortungsbewussten Umgang mit den Ressourcen unserer Kinder und Enkel sprechen“ so Uwe Wedegärtner.

 

Und weiter: „Boden ist nicht vermehrbar. Die besten Bördeböden werden mit Industriegebieten und flächenintensiven Einfamilienhaus Siedlungen für immer versiegelt, wie die letzten Beispiele in Zülpich und Mechernich zeigen. Der Druck auf die Naturschutzgebiete und zur Umsetzung von Maßnahmen zum Naturschutz wird immer stärker“. Und die nächsten Planungen liegen längst in der Schublade. Diesen Eindruck gewinnen die Aktiven beim NABU, wenn sie auf die Pläne schauen, die der Bevölkerung präsentiert werden. Diesen Eindruck konnten die Mitglieder des „Arbeitskreises Natürlich.Mechernich“ des NABU Kreis Euskirchen, immer wieder bei der öffentlichen Auslage von Plänen gewinnen. Es hat den Anschein, als wollten die Stadtväter schnell noch die Planungen, die für die nächsten zwanzig bis dreißig Jahre hätten reichen sollen in den nächsten 5-10 Jahren umsetzen. Denn es wandelt sich nicht nur das Klima, sondern auch das Bewusstsein der Menschen, wenn die Auswirkungen der Klimaveränderungen immer sichtbarer werden, das ist spürbar. „Verantwortungsbewusster Umgang mit dem Grund und Boden, der Ressource unserer Zukunft, sieht anders aus, eine nachhaltige Siedlungspolitik in Anbetracht der geplanten Flächenversiegelungen auch“ sagt Peter Berthold, Sprecher des AK Natürlich.Mechernich.

Fotoaufnahme von 2014  Hier noch ein intaktes Feldlerchengebiet. Leider heute durch  Versiegelung und Verbauung der Landschaft, viel  der Feldlerche & Co  der Lebensraum  zum Opfer.  Foto: NABU/Günter Lessenich

 

Es geht hier offensichtlich nicht darum den Wohnraumbedarf zu decken, sondern mit den ausgewiesenen Flächen Kasse zu machen. Oder wie lässt sich sonst erklären, dass überwiegend Einfamilienhaussiedlungen in Zülpich und Mechernich geplant werden, wenn so dringend bezahlbarer Wohnraum gebraucht wird? Nachhaltige Siedlungsentwicklung mit Naturflächen und Frischluftschneisen, sowie kühlender natürlicher Vegetation kommt eine besondere Bedeutung zu, schon um den Freizeitdruck auf die Naturschutzgebiete der Umgebung nicht weiter zu steigern. „Die Natur verhandelt nicht, sondern liefert uns das Ergebnis unseres Handelns. Das müssen wir noch begreifen. Die Verletzlichkeit unserer Existenz auf diesem Planeten zeigt uns gerade die Corona-Pandemie. Das sollte uns eine Lehre sein“ meint Uwe Wedegärtner mit Blick auf den Flächenverbrauch und die damit verbundene Zerstörung der Natur, auch im Kreis Euskirchen. Deshalb müsse der Freiraumschutz in einer Neuauflage des Landesentwicklungsplanes für Nordrhein-Westfalen und auch für den Kreis Euskirchen durch Wiederaufnahme des 5 ha-Ziels (für NRW) entsprechend rechtlich abgesichert werden. Langfristig müsse der Landschafts- und Flächenverbrauch auch in NRW auf „Netto-Null“ sinken.

 

Die Reduzierung des Flächenverbrauchs kann nur gelingen, wenn die Innenentwicklung der Städte absoluten Vorrang vor der Außenentwicklung hat“, erklärte die NABU-Landesvorsitzende von NRW, Dr. Heide Naderer. Gleichzeitig seien bei der innerstädtischen Entwicklung entsprechende Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung zu berücksichtigen, sowie Anreize für innerstädtischen Freiraumschutz zu setzen. Hierzu gehörten unter anderem ein Flächenrecycling, also eine Nach- und Umnutzung von Flächen und Gebäuden durch Rückbau und Entsiegelung, flächensparende und bodenschonende Bauweisen, das Schaffen möglichst großer, zusammenhängender Grünzüge und lebensraumvernetzender Strukturen aber auch der Erhalt von Straßenbäumen und eine Förderung der Fassadenbegrünung.

Feldlerche  90 Prozent Verlust in der Feldflur!

Fotos: NABU/Günter Lessenich

 Kiebitz vom Aussterben bedroht!


Solche Strukturen sind aber nicht nur für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen von großer Bedeutung, sondern auch für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die die Stadt als Lebensraum entdeckt haben, denn sie helfen ebenso die Folgen des Klimawandels in den Städten zu mildern.

 

Der NABU Euskirchen plädiert für einen ressourcenschonenden und verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur und zu modernen Siedlungskonzepten, die die Bedürfnisse der Menschen und der Natur berücksichtigen.