Seidige Netze und fliegende Spinnen

Tipps zur Naturbeobachtung im Altweibersommer

  Kunstvoll gewebt                                                                                                          Foto: Brunhild Grommes

Wer an sonnigen  Herbsttagen durch die Natur streift, dem werden die vielen Spinnennetze auffallen, die sich am Wegrand finden. Häufig sieht man auch zarte Spinnfäden, die wie durch Geisterhand bewegt durch die Luft schweben. Von ihnen hat der "Altweibersommer" seinen Namen: Die seitigen Fäden erinnern an langes weißes Haar, an die Haare von "alten Weibern". Tatsächlich handelt es sich aber um die Flugfäden von winzigen Jungspinnen.

Noch vor Einbruch des Winters schlüpfen die Jungspinnen. Sie verbleiben aber im watteartigen Kokon (oben links) und überwintern in diesem. Erst etwa im Mai des folgenden Jahres bahnen sie sich ihren Weg durch die Hülle und sammeln sich daneben in einer dichten Traube.

Foto: Brunhild Grommes

Früher nahm man an, die Flugfäden der Spinnen seien Gespinste von Schicksalsgöttinnen, in der Luft segelte Algen oder sogar Vorboten der Pest oder Sturm. Die Ursache des "Spinnenfluges" ist jedoch Nahrungsmangel: Spinnenweibchen legen so viele Eier an einer Stelle ab, dass die geschlüpften Jungtiere dort aufgrund von knapper werdender Nahrung nicht lange zusammen bleiben können. Sobald die Jungspinnen sich selbstständig machen, sind sie daher bestrebt, sich von ihrem Geburtsort zu entfernen. Sie erklimmen hochauftragende Gegenstände wie Zaunpfähle oder Büsche, stellen sich hochbeinig auf und lassen einen Faden aus den sogenannten Spinnwarzen austreten. Der Faden wird vom Wind aufgegriffen, wird immer länger und trägt schließlich die Spinne in der Luft fort. Dabei legen die jungen Spinnen oft erstaunliche Entfernungen zurück: In 4.000 Meter Höhe und über dem Meer, 350 Kilometer vom nächsten Land entfernt, wurden die Winzlinge schon gefunden. Wann sie landen wollen, entscheiden die Spinnen selber: Sie haspeln einfach ihren Flugfaden zusammen und sinken dann zu Boden.

Aber auch erwachsene Spinnenarten, insbesondere Vertreter der Familie der Zwergspinnen, fliegen gerne. So besiedeln Spinnen schnell neu entstandene Lebensräume und können in kurzer Zeit weite Landstriche erobern. Ein Beispiel aus jüngster Zeit ist hierfür die Wespenspinne, unsere auffälligste Spinnenart, die deutlich schwarz-gelb gestreift ist.  Die Wespenspinne stammt eigentlich aus dem Mittelmeerraum, hat aber per "Luftweg" mittlerweile weite Teile Deutschlands erobert.

 Nahaufnahme einer Wespenspinne                                                                             Foto: Brunhild Grommes

Spinnen sind übrigens keine Insekten. Im gegensatz zu diesen haben sie acht anstatt sechs Beine und bilden eine eigene Klasse im Tiereich. Noch heute finden viele Menschen, dass Spinnen lästig oder eklig sind. Man übersieht dabei, dass auch Spinnen eine wichtige Rolle im Naturhaushalt spielen. Sie vertilgen unzählige Insekten und dienen ihrerseits wieder als Nahrungsgrundlage für Vögel, Frösche, Eidechsen oder andere Insekten.

 

Wer Spinnen nicht mag, der kann sich wenigstens an den seitigen Kunstwerken der Webkünstler erfreuen. Da viele Spinnen im Eikokon überwintern, ist es für diese Arten wichtig, dass die Gärten zum Herbst nicht völlig "ausgeputzt" werden. Spinnen sind genügsame Mitbewohner im heimischen Garten und fleißige biologische Schädlingsbekämpfer, da sie auch Blattläuse jagen.

 

Text von Günter Lessenich

Weitere Fotos der Webkünstler

Einen Dank gilt Frau Brunhild Grommes aus Mechernich - Kommern   die uns für diesen Artikel  diese  fantastischen Fotoaufnahmen zur Verfügung gestellt hat.